DAS SCHLIMMSTE WAS EINE MAMA MACHEN KANN

DAS SCHLIMMSTE WAS EINE MAMA MACHEN KANN

VON DER KUNST KEINE PERFEKTE MAMA ZU SEIN.

BIN ICH EINE GUTE MAMA?

Als ich noch keine Kinder hatte, habe ich über die Mamas geschmunzelt, die sich Sorgen machten, keine guten Mamas zu sein. Obwohl sie offensichtlich- bzw. in meinen Augen- gute Mamas waren. Den Kindern ging es gut: ein Dach über dem Kopf, Essen nach Gusto, ein aufregender Kita-Alltag, Gute-Nacht-Geschichten, Baden mit viel Schaum, frische Klamotten und liebevolle Eltern. Warum um alles in der Welt machten sich die Mamas da bitteschön Gedanken, dass sie als Mama nicht genügten? Das verstand ich nie.


Jetzt verstehe ich es. Oh ja, und wie ich es verstehe. Ich fühle es. Genauso. Manchmal könnte ich die Hände über meinem Kopf zusammenschlagen und meinem Spiegelbild ordentlich die Meinung geigen. In etwa so: „Jetzt bitte schau‘ Dich an, was Du für eine Mama bist. Du liebst Deine Kids und Du gibst Dein Bestes. Sei stolz auf Dich und Deine Kinder. PUNKT.“


DIE FRAGEN IN MEINEM KOPF

Sind meine Kinder täglich an der frischen Luft, am besten 1-2 Stunden- mindestens(!)?

Essen Sie auch gesund genug? Koche ich ausgewogen genug?

Werden sie genug gefördert? Lese ich genug Buch vor? Und überhaupt beschäftige ich mich genug mit ihnen?

Gebe ich ihnen genug Liebe? Kuschel ich sie ausreichend?

Liegt mein Baby oft genug auf dem Bauch? Sollte ich Levi nicht langsam mal ans Töpfchen gewöhnen?


NOCH SCHLIMMERE GEDANKEN IN MEINEM KOPF

Ich habe dieses Jahr noch keine Weihnachtsplätzchen gebacken und werde es voraussichtlich auch nicht tun.

Und mal wieder Pfannkuchen zum Abendessen!

Mein „älteres“ Kind schicke ich von 08:00-16:00 Uhr in die Kita. BIS SECHZEHN UHR! SHAME on me! Mein schlechtes Mama-Gewissen beisst mir in den Hintern.

Nein, ich trage mein Baby nicht ständig im Tragetuch.

Den Winter-Fuss-Sack für den Kinderwagen wurde mal wieder Last-Minute angeschafft. Im Dezember.

Wir besuchen weder einen Baby-Massagekurs, noch einen Baby-Schwimmkurs und geschweige denn einen PEKiP-Kurs.

Die Liste könnte ich noch ewig fortführen.


Was total irre an der Sache ist: Väter haben solche Gedanken nicht. Nur wir Mütter. Warum plagen wir uns damit? Reicht es nicht, dass wir an Schlafentzug leiden, einen 24-Stunden-Job machen, unsere eigenen Bedürfnisse immer hintenanstellen? Müssen wir uns zusätzlich noch einreden, wir könnten schlechte Mütter sein, wir könnten unseren Kindern nicht gerecht werden?


DAS SCHLIMMSTE WAS EINE MAMA MACHEN KANN

Das schlimmste jedoch, was wir uns Mütter antun ist uns mit anderen (vermeintlichen Super-Moms) zu VERGLEICHEN. Das ist so ziemlich das Todesurteil für eine gesunde Mama-Psyche. Ich weiss noch ganz genau, wie ich mich fühlte als unsere Nachbarin zum Grillfest erschien. Sie hat zwei kleine Kinder und arbeitet als Mathematiklehrerin. Sie brachte selbstgebackenen Kuchen und Brot mit. Sie schenkte uns selbstgenähte Hosen für unsere Kleinen. Sie sah überhaupt nicht übermüdet aus. Ich hingegen habe es gerade mal geschafft, Grillwürstchen zu kaufen und halbwegs pünktlich mit den Kids da zu sein. Ich vermutete, dass diese Mama perfekt durchorganisiert ist, tausend Kinderhosen in der Woche näht inklusive Fleece-Latzhosen mit aufwendigen Mustern, pro Woche mindestens zweimal bäckt und nebenbei natürlich den perfekt aufgeräumten Haushalt führt.

Und überhaupt dieser ganze DIY-Kram dachte ich mir.

Natürlich tut sie das nicht. Und selbst wenn sie es täte, WARUM vergleiche ich mich mit ihr? Warum möchte ich so sein wie sie? Warum schaue ich an mir herunter und verleihe mir selbst den Orden „Schmalspur-Mama“?


Das Verrückte: Genau DAS machen GANZ viele Mamas.

Wir sehen eine andere Mama mit Kind im Buggy. Dieses Kind trägt einen Bio-Woll-Fleece-Overall und knabbert an liebevoll geschält- und zurechtgeschnitten Karotten-Gurken-Sticks. ZACK! Das reicht bereits aus, um diese Mama als Super-Power-Alles-Richtig-Mama zu nominieren. Gleichzeitig kasteien wir uns selbst, indem wir uns dafür schämen, dass unser Kind einen Schoko-Waffel-Keks aus dem 10-er Pack in der Hand hält und seit einer Woche der Reißverschluss der Winterjacke klemmt. Zugegeben, der Schoko-Waffel-Keks ist immerhin BIO. Also nur einen Punkt Abzug.

DIE KUNST HERRLICH UNPERFEKT ZU SEIN

Die Frage der Fragen lautet nicht „Was ist eine perfekte Mama“, sondern „Was bedeutet es für mich, eine perfekte Mama zu sein“? Für mich war dies der erste Schritt, mich von meinem realitätsverzerrten Bild der perfekten Mama zu lösen.


DREI GOLDENE REGELN FÜR DEN UNPERFEKTEN ALLTAG.

DER EWIGE HAUSHALT. Zunächst: Sätze wie „Lass‘ den Haushalt auch mal liegen“, helfen hier nicht weiter. Denn Frau lässt ihn nicht liegen, zumindest nicht ganz. Die Kunst besteht darin, einen unperfekten Haushalt zu führen und damit vollkommen zufrieden zu sein. Und Hilfe anzunehmen. Wie wäre es mit einer Haushaltshilfe? Ist es denn so schlimm einen Wäscheberg zu haben? Was spricht dagegen erst abends die Küche komplett aufzuräumen? Kinder interessieren sich nicht für den Haushalt. Warum auch? Hygiene ist wichtig, aber mir reicht es aus, dem immer wieder entstehenden Chaos am Tagesende Herr zu werden und nicht gefühlt 100-mal über den Tag verteilt.

LIEBE. Verbringe stattdessen lieber die Zeit mit Deinen Kids. Ob zusammen kochen, baden, Musik hören oder durchkitzeln- egal. Hauptsache kein TV. Ich habe aufgehört, ein schlechtes Gewissen zu zulassen nur weil wir nicht jeden Tag drei Stunden im Wald verbringen, Baumhäuser bauen und Stockbrot backen. Ein Kommentar eines Kinderpsychologen, der mir immer wieder vor Augen führt, dass wir im Grunde genommen schon die besten Mamas sind wenn wir einfach nur DA sind, ist dieser hier: „Wenn sie am Ende des Tages ihr Mutter-sein mit einer Note bewerten würden (1- sehr gut; 6- ungenügend) und sie würden sich selbst mit der Note 4 bewerten, haben sie in den Augen der Kinder bereits eine prima Performance hingelegt.“ Heisst hier konkret: Wir Mamas setzen die Messlatte irrsinnig hoch. Und setzen uns damit selbst unter Druck. Nichts ist gut genug. Wenn wir dann noch- erschöpft von unserem selbst auferlegten Mama-Marathon- eine vermeintliche „Alles-Könner-Immer-bestens-gelaunt-und-unglaublich-gutaussehende-Super-Mama“ im Alltag antreffen, erleidet unsere Mama-Psyche einen folgenschweren Knacks. Ja, so ist das. Und die Kinder? Die lieben ihre Mama einfach so wie sie ist, auch wenn sie keine Vollkorn-Dinkel-Hafer-Kekse selbst backt und nebenbei schicke Wintermützen für den ganzen Mama-Bekanntenkreis strickt. Sie lieben uns. Einfach so. Verrückt, oder?

HAPPY MOM = HAPPY KIDS. Diese Formel ist so ziemlich einleuchtend. Runtergebrochen auf das Wesentliche, aber doch so bedeutsam. Ich habe festgestellt, wenn ich mit MIR glücklich bin, habe ich ZEHNMAL mehr Energie für meine beiden Punkaboos in petto, als wenn ich unglücklich bin. Körperliche Fitness baut mich im wahrsten Sinne des Wortes auf, sowohl physisch als auch psychisch. Zugegeben, sich seine eigenen kleinen Energie-Inseln zu schaffen und zu leben bedarf Konsequenz und auch Überwindung des inneren Schweinehundes (wer geht schon gerne müde joggen?), zahlt sich aber doppelt und dreifach aus.

Das Titelbild spiegelt übrigens wunderschöne Unperfektheit wider: Das ist nicht warmer Kamillentee für Levi, sondern mein Kaffee. 😉

Es grüßt Euch ganz unperfekt Eure Julie mit Henry und Levi.

 

 

 

2 Comments

  1. 17. Dezember 2019 / 15:08

    Du bringst wa auf den Punkt Julie. Vielen Dank für diesen PERFEKTEN Beitrag, passend zur Weihnachtszeit und dem dazugehörigen Stress. Man sollte auch die Außenwelt nicht so nah an auch herablassen, die meinen wir Eltern – insbesondere in der Elternzeit- wären ja eh den ganzen Tag zu Hause. Keine Frage, eine berufstätige Mummy bewältigt einen Alltag noch mal 1000 mal anders und muss noch organisierter sein, aber das Äußere Erschungsbild einer „perfekten“ Mama spiegelt nur eines wider: welche scheinbaren Defizite WIR (als Mummy) in uns selbst sehen, nicht was andere in uns sehen (vor allem unsere Kids). Wir müssen uns von diesem STRESS befreien: zu sein , wie wir denken, uns andere haben wollen!

    Toller Beitrag und alles Gute für dich und deine Family

    • Solvage21
      Autor
      18. Dezember 2019 / 10:33

      Liebe Anica,
      danke für Dein Comment! Es ist gut zu wissen, dass es ganz vielen Müttern da draußen genauso geht! Wir Mamas sollten uns gegenseitig mehr unterstützen finde ich!:-) Liebgruss, Julie.

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